Von der Einrichtung bis zur Auszahlung

Von der Einrichtung bis zur Auszahlung

Die Nutzung von Zeitwertkonten erfreut sich einer besonderen Beliebtheit. Immer mehr Arbeitnehmer haben unter anderem erkannt, dass es sich hierbei um eine gute Alternative zur Altersteilzeit handelt.

Immerhin ist es unglaublich praktisch, Geld anzusparen, um dann der Arbeit im Gegenzug irgendwann länger fernbleiben zu können.

Rund um die Einrichtung und die Nutzung von Zeitwertkonten kommt es jedoch immer wieder zu Missverständnissen. Leider sind viele Arbeitnehmer (und auch Arbeitgeber) oft der Meinung, dass es „unglaublich kompliziert“ wäre, die Basis für die längere Auszeit zu legen. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Vorurteil.

Die folgende Schritt-für-Schritt Anleitung zeigt auf, wie einfach es ist, von den Vorteilen eines Zeitwertkontos zu profitieren, ohne sich mit bürokratischen Hürden auseinandersetzen zu müssen.

Schritt Nr. 1: das Einrichten des Zeitwertkontos

Vor der Nutzung des Zeitwertkontos steht die entsprechende Einrichtung. Die jeweiligen Schritte werden hauptsächlich vom Arbeitgeber vorgenommen, während der Arbeitnehmer selbstverständlich auch das Recht hat, ihn über seine Wünsche zu informieren. So kann der Einzahlende beispielsweise bestimmen, mit welchen Teilen seines Gehalts er sein Zeitwertkonto aufstocken möchte.

Minimum- bzw. Maximalwerte müssen hier in der Regel nicht beachtet werden. Es ist lediglich wichtig, darauf zu achten, dass der Arbeitnehmer im Monat noch mindestens 450 Euro ausgezahlt bekommen.

Alles, was mit Hinblick auf die Nutzung des Zeitwertkontos wichtig wird, wird in der Wertguthabenvereinbarung festgehalten. Hierin steht unter anderem, ab wann und wie lange die Auszeit in Anspruch genommen werden kann. Auch der Zweck der Auszeit wird in der Wertguthabenvereinbarung festgehalten. Sollte der Arbeitgeber also Wert darauflegen, dass nur ein Zweck angegeben wird, ist es wichtig, sich als Arbeitnehmer über den Hintergrund der bevorstehenden Auszeit im Klaren zu sein. Viele Arbeitgeber erlauben hier jedoch auch flexible Angaben.

Schritt Nr. 2: die Ansparphase

Nachdem das Zeitwertkonto eingerichtet wurde, kann es auch schon „bespart“ werden. Der Arbeitnehmer entscheidet hierbei weitestgehend flexibel, welche Gehaltsbestandteile die Basis für seine Auszeit bilden sollen.

Zum Zeitpunkt der Einzahlung sind die betreffenden Beträge sowohl steuer- als auch sozialversicherungsfrei.

Gleichzeitig sorgt der Arbeitgeber dafür, dass das betreffende Guthaben gegen eine mögliche Insolvenz abgesichert ist. So muss sich der Zeitwertkonteninhaber keine Sorgen machen, dass sein eingezahltes Geld verfallen würde, wenn ein Unternehmen seinen Betrieb einstellen muss.

Schritt Nr. 3: die Auszeit bzw. der verfrühte Eintritt in den Ruhestand

Wenn genug Guthaben angespart wurde*, kann auch das Recht auf eine längere Auszeit in Anspruch genommen werden. Während dieser Zeit muss sich der Arbeitnehmer in der Regel keine Sorgen über seine finanzielle Situation machen, da nun sein Zeitwertkonto dazu genutzt wird, ihm sein „Gehalt“ zu zahlen. Im Rahmen der Auszahlung werden dann auch Sozialversicherung und Steuern fällig.

Für den Fall, dass der Arbeitgeber vor der Inanspruchnahme der Auszeit gewechselt wird, kann das Guthaben, das sich auf dem Zeitwertkonto befindet, oft zum neuen Unternehmen mitgenommen werden. Bietet der neue Arbeitgeber keine Zeitwertkonten an, ist es auch möglich, die Summe an die DRV-Bund zu übertragen. Diese verwaltet den Betrag dann bis zur Auszahlung und tritt dementsprechend dann an die Stelle des Arbeitgebers.

*Wie wird die Höhe des Freistellungsgehalts berechnet?

Die Höhe des jeweiligen Freistellungsgehalts ist vor allem vom persönlichen Anspruch und dem durchschnittlichen Gehalt abhängig. Hierbei gilt, dass die ausgezahlte Summe zwischen 70 und 130 Prozent des monatlichen Arbeitsentgelts liegen muss.

Zudem sollte sich der Arbeitnehmer natürlich fragen, wie viel monatliches Budget er im Rahmen seiner Freistellung braucht. Wer beispielsweise eine Weltreise plant, dürfte hier andere Ansprüche haben als jemand, der seine Elternzeit auf zwei (oder mehr) Jahre verlängern möchte.

Schlussendlich legt der Arbeitnehmer die Höhe des Freistellungsgehalts, in dem vorgeschriebenen Rahmen selbst fest.

Zeitwertkonten: Anspar- und Entnahmephase

Zeitwertkonten: Anspar- und Entnahmephase

Das Prinzip, welches sich hinter Zeitwertkonten verbirgt, klingt auf den ersten Blick vor allem für Arbeitnehmer attraktiv. Immerhin bietet sich ihnen hier die Möglichkeit, sich – ein entsprechendes Guthaben vorausgesetzt – eine längere Auszeit zu nehmen oder vielleicht sogar früher in Rente zu gehen.

Die Zeitwertkonten ersetzen so die bekannte Altersteilzeit und erweitern diese um weitere, noch individuellere Faktoren.

Grundsätzlich lässt sich das Procedere, das die Basis für das Zeitwertkonto bildet, in Anspar- und Entnahmephase aufteilen. Damit einem früheren Ruhestand bzw. einer längeren Auszeit jedoch nichts im Wege steht, müssen – auch mit Hinblick auf gesetzliche Vorschriften – einige Grundregeln beachtet werden.

Die Möglichkeit, auf ein Zeitwertkonto zurückzugreifen, kann die Arbeitgeber-Attraktivität steigern

Auch wenn es sich beim modernen Zeitwertkonto um einen besonderen Trend handelt, ist noch lange nicht davon auszugehen, dass auch wirklich jeder Arbeitgeber diese Option anbietet.

Gleichzeitig gilt es, sich als Arbeitnehmer auf der Suche nach einem neuen Job immer in Erinnerung zu rufen, dass jedes Unternehmen hier individuell entscheiden kann, ob es diese Option der zeitlichen Flexibilität anbietet.

Wem es dementsprechend wichtig ist, gegebenenfalls früher in Rente zu gehen oder eine längere Pause einzulegen, sollte – beispielsweise während des Bewerbungsgesprächs – gezielt nach den jeweiligen Möglichkeiten fragen.

Die Ansparphase – das müssen Sie beachten

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei der Ansparphase um die Zeit, in der der Arbeitnehmer sein Guthaben sammelt, um es zu einem späteren Zeitpunkt aufbrauchen zu können. Wie lange die Ansparphase schlussendlich andauert, ist nicht standardisiert festgelegt. Wer rechtzeitig startet und sich ein vergleichsweise hohes Guthaben zum Ziel gesetzt hat, kann sogar parallel zum Start in das Berufsleben damit beginnen, Zeit zu sammeln und damit erst kurz vor der verfrühten Rente aufhören.

Ein weiterer Vorteil: während der Ansparphase ist es möglich, alle erdenklichen Gehalts- bzw. Lohnbestandteile einzuzahlen.

Hierzu gehören unter anderem…:

  • geleistete Überstunden
  • Urlaub, der während der entsprechenden Periode nicht genommen wurde
  • freiwillige Arbeitgeberleistungen.

Der Faktor Flexibilität spielt jedoch nicht nur während der Entnahme-, sondern auch schon während der Ansparphase eine wichtige Rolle. So obliegt es unter anderem dem Arbeitnehmer, zu entscheiden, welche Teile des Gehalts während der Ansparphase „verwertet“ werden sollen.

Als „Grundregel“ gilt hierbei, dass beispielsweise das Guthaben, dass sich aus einem nicht genommenen Urlaub ergibt, in einen Wert – basierend auf dem aktuellen Stundensatz – umgerechnet und entsprechend eingezahlt wird.

Aus einer einmal getroffenen Entscheidung, zum Beispiel Überstunden am Ende einer bestimmten Zeitspanne einzuzahlen, ergibt sich jedoch nicht die Verpflichtung, auch in Zukunft immer entsprechend verfahren zu müssen.

Besonders wichtig ist es hierbei natürlich auch, die jeweiligen Schritte mit dem Arbeitgeber abzusprechen, um ein hohes Maß an Transparenz zu wahren.

Die Entnahmephase – viele Möglichkeiten für mehr Freizeit

Das Prinzip, das sich hinter der Entnahmephase verbirgt, lässt sich leicht nachvollziehen. Denn: nun ist es an der Zeit, das angesparte Guthaben in Freizeit umzuwandeln. Dieses befindet sich jedoch nicht in Minuten oder Stunden, sondern tatsächlich in Form von Geld auf den entsprechenden Konten. Verständlich! Immerhin soll mit Hilfe des Guthabens auf dem Zeitwertkonto das Gehalt für den jeweiligen Zeitraum ersetzt werden. So können die entsprechenden Phasen, zum Beispiel ein Sabbatjahr, eine verlängerte Elternzeit oder der Vorruhestand, im wahrsten Sinne des Wortes vorfinanziert werden.

Auch hier ist es – sowohl von Arbeitnehmer- als auch von Arbeitgeberseite aus – wichtig, auf Transparenz und einen angenehmen Planungsvorlauf zu setzen, um beispielsweise betriebliche Abläufe nicht zu stören.

Ob die zur Verfügung stehende Zeit dann genutzt wird, um…:

  • sich eine Auszeit in Form einer Weltreise zu gönnen
  • Angehörige zu pflegen
  • sich weiterzubilden

bleibt jedem Arbeitnehmer selbst überlassen.

Wer wissen möchte, wie lange die Zeit ist, die er sich auf der Basis seines Zeitwertkontos als Auszeit gönnen kann, kann mit seinem Arbeitgeber in Kontakt treten, die entsprechenden Werte jedoch auch weitestgehend problemlos selbst ausrechnen, indem er seinen Stundensatz durch den angesparten Wert teilt.

Das Zeitwertkonto und seine Vorteile im Detail

Wer die Philosophie, die sich hinter einem Zeitwertkonto verbirgt, versteht und die spezifischen Charakteristika von Anspar- und Entnahmephase nutzt, profitiert – sowohl als Arbeitgeber als auch als Arbeitnehmer – von besonderen Vorteilen, die sich unter anderem in…:

  • einer erhöhten Attraktivität des jeweiligen Unternehmens auf Fachkräfte
  • der Möglichkeit zu einer Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit
  • einer praktischen Alternative zur klassischen Betriebsrente
  • mehr Flexibilität auf Auszeiten verschiedenster Art

zeigen. Dennoch sollte bei aller Begeisterung nie vergessen werden, dass sowohl während der Anspar- als auch während der Entnahmephase unterschiedliche Faktoren beachtet werden müssen. Wer hier alle gesetzlichen Vorgaben beachten und auch gleichzeitig alle Vorteile nutzen möchte, sollte sich während der Einrichtung der entsprechenden Möglichkeiten und auch zwischendurch von einem Fachmann beraten lassen.